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BPD Symptome erklärt | N°7

BPD Symptome erklärt | N°7

Innere Leere | Man sieht, fühlt, findet einfach nichts - obwohl man sich sicher ist, dass da irgendwas sein müsste.Lesezeit: 5 minuten

Neben der Anspannung ist die Innere Leere eines der charakteristischsten Symptome für die Borderline Persönlichkeitsstörung. Und mit am schwersten zu beschreiben. Ich versuche es trotzdem Mal.

Innere Leere | Man sieht, fühlt, findet einfach nichts - obwohl man sich sicher ist, dass da irgendwas sein müsste.

Innere Leere | Eine Leere, für die es kaum Worte gibt.

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In der Reihe BPD Symptome erklärt möchte ich euch nach und nach anhand der „offiziellen Kriterien“ des DSM die Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung vorstellen. Wie bei allen Beiträgen auf meiner Seite gilt: hier geht es um meine Welt, um meine Erfahrungen, um meine Ansichten. Wenn ihr Ergänzungen habt, könnt ihr diese gerne per Mail oder in den Kommentaren mit mir und allen Lesern teilen. Einen Überblick über die Symptome findest du im Grundkurs Borderline. Heute geht es zu Kriterium N°7:

Andauerndes Gefühl der inneren Leere.

Wie schon im Teaser geschrieben – dieses Symptom ist schwer zu beschreiben. Noch schwerer, als all die anderen wahrscheinlich. Deswegen hab ich mich vielleicht auch ein wenig davor gedrückt.

Wie soll man Nichts in Worte fassen?

Einmal habe ich bereits versucht, bzw. angefangen die Leere zu beschreiben. Beim vorletzten Symptom, der N°5 | Selbstverletzung. Dort habe ich geschrieben:

Und warum nun das ganze? – Um die innere Leere füllen | Ein weiteres zentrales Symptom von Borderline ist das anhaltende Gefühl innerer Leere. Da ist einfach nichts. Der Körper ist wie eine Hülle. Und man versteht nicht, wie das sein kann. Egal wie sehr man in sich reinschaut, der Scheinwerfer findet nichts zum Beleuchten. Und je mehr und verzweifelter man sucht, desto weniger ist da. Das kann bis zu einer Art Panik führen. Und dann will man Bestätigung. Dass man am Leben ist. Dass man keine leere Hülle ist. Dass da etwas in einem drin ist. Also macht man auf, und schaut nach.

Das möchte ich auch so stehen lassen. Aber seit ich mich in den letzten Tagen mehr mit dem Thema auseinandergesetzt habe, muss ich erkennen, dass eigentlich noch viel mehr dahinter steckt. Und ich in diesem Absatz nur an der Oberfläche der Leere gekratzt habe.

Auf der Suche nach einer guten Beschreibung habe ich mich auch mal ein bisschen umgesehen, ob vielleicht jemand anders das Dilemma in gute Worte gepackt hat.

Auf www.borderline-borderliner.de habe ich folgendes gefunden:

Viele Borderliner spüren oft eine innere Leere und Langeweile, die auf Dauer zu einem Verlust des Selbstwertgefühls führen können. Diese Leere oder Langeweile kommt manchmal plötzlich, obwohl kurz zuvor das Leben noch ausgefüllt schien. Durch die Unfähigkeit, alleine sein zu können und zusätzlich dem Gefühl der Leere und Langeweile bekommt ein Borderliner schnell das Gefühl, daß nur andere das Leben sinnvoll machen können.

Beim borderline-spiegel schreiben sie

Es ist schwer für gesunde Menschen sich vorzustellen wie sich diese Leere im Körper anfühlt, denn es gilt als normal das man immer Zugriff auf seine Emotion hat, doch bei einer Borderline-Persönlichkeit ist diese Leere leider ein häufig anzutreffender Zustand. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, es ist die beständigste Phase im Leben eines Borderliners.

Beispiel eines Dialoges der dieses Dilemma anschaulich erklärt:

Therapeut: „Wie geht es Ihnen heute?“

Patient: „Gut, etwas Müde!“

Therapeut: „Oh gut, dann beschreiben sie mir doch einmal…wie fühlt sich diese Müdigkeit an, wo fühlen sie sich Müde!

Der Patient versucht nun in sich zu schauen und diese Müdigkeit zu fühlen, ist jedoch nicht dazu in der Lage. Es ist als würde er auf einem weißen Blatt Papier nach einem Text suchen der dort angeblich stehen soll. Weil er unfähig ist zu Fühlen hat er das Gefühl der Müdigkeit durch seinen Verstand erklärt und deswegen entsprechend geantwortet. Da er nur wenige Stunden geschlafen hat ging sein Verstand davon aus das er Müde sein müsste… er ist es vermutlich auch, aber er kann es nicht wahrnehmen.

Da in dieser Leere keine Freude und somit auch keine Lust auf das Leben möglich ist, kommt es in dieser Phase vermehrt zu dysfunktionalem Verhalten wie Selbstverletzungen, Hochrisikoverhalten oder sogar Suizid.

Alle drei Abschnitte zusammen genommen ergeben schon mal eine gute Annäherung. Außerdem habe ich auf Life in a Bind einen sehr guten Artikel zum Thema gefunden. Ich kann nicht alles unterschreiben, was die Autorin dort aufführt, finde den Artikel aber definitiv sehr lesenswert. (Leider) Auf Englisch.

Sie verfolgt dort einen eigenen Ansatz, der Leere auf den Grund zu gehen und zu schauen, was genau sich dahinter eigentlich verbirgt. Kurz habe ich überlegt, ob ich ihren Ansatz ins Deutsche übersetze – aber so weit wie sie bin ich wohl noch nicht. Im Verstehen der Leere.

Tschüss Leere – Hallo Volle!

Und ich muss ein bisschen aufpassen. Denn noch schwerer, euch das Gefühl der inneren Leere nahezubringen macht es mir die Tatsache, dass ich mit diesem Symptom immer weniger zu kämpfen habe. Seit ich angefangen habe, mich mit meiner Krankheit zu beschäftigen, seit ich Therapie mache und auf mich achte – hat die Leere kaum noch eine Chance.

Während ich hier nun schreibe, versuche ich mich daran zu erinnern, wie sich diese Leere angefühlt hat. Aber sie ist unmöglich aus dem Nichts heraufzubeschwören – und es wäre auch das Letzte, was ich möchte. So umkreise ich das Thema, möchte zurück ins Symptom, ohne es wiederzubeleben. Möchte nicht alle Fortschritte über den Haufen werfen, nur um einen guten Artikel zu schreiben.

Mein Bild über mich hat sich geändert. Nicht nur, was das Äußere betrifft. Sondern auch und vor allem wenn es um mein Innenleben geht. Seit ich mich mit meinen Gedanken, Gefühlen und allem, was da noch so in mir drin herumwuselt, beschäftige, habe ich erkannt, dass da alles andere ist – aber keine Leere.

Es sind nicht nur schöne Sachen, die ich da finde. Aber auch. Ich habe einen besseren Zugang zu mir gefunden. Laufe nicht mehr ständig vor Sachen weg, ohne eigentlich zu wissen, vor was ich weglaufe.

Immer noch gibt es Momente, wo ich meinem Innenleben keinen Namen geben kann. Nur weiß, dass ich gerade etwas fühle, aber nicht genau was. Mit meiner Therapeutin habe ich angefangen, hinter die Gedanken, Mechanismen und Reaktionen zu schauen, die sich immer wiederholen. Ich verstehe mehr, warum ich was wie mache, denke oder fühle. Und je mehr ich verstehe, desto weniger Chancen hat die Leere wohl.

Was tun?

Ich muss den Tenor des ganzen Artikels auch hier weiterführen: Ich kann euch keine konkreten Tipps oder Handlungsideen geben, wenn ich euch nicht beschreiben kann, worum es eigentlich geht.

Den Angehörigen unter euch kann ich nur raten, mit „eurem“ Borderliner über seine Leere zu sprechen. Wie sie sich für ihn oder sie anfühlt. Falls ich eines Tages auf eine gute Idee kommen sollte, wie ich euch das Thema näher bringen kann, werde ich das tun.

Und den Betroffenen unter euch möchte ich mit auf den Weg geben, dass es besser werden kann. Dass diese Leere nicht für immer als großes Loch in eurem Leben stehen wird. Sobald eine Therapie anfängt, zu wirken. Oder sobald ihr schafft, euch mit euch auseinanderzusetzen.

Als einzelnes Symptom ist die Leere wohl deutlich schwerer zu therapieren, als so manch anderes. Vielleicht kann man sich die Leere als eine Art Schmarotzer der anderen Symptome vorstellen. Solange sie bleiben dürfen, hat auch die Leere eine gute Zeit. Wenn aber durch eine gute Therapie und viel, viel Arbeit der Rest der Symptombande langsam zurückgedrängt wird, hat auch irgendwann die Leere keine guten Überlebenschancen mehr.

Es tut mir Leid, dass dieser Artikel nicht so erklärend und hilfreich ist, wie die anderen Symptom-Artikel es hoffentlich sind. Ich lege euch nochmals an Herz, einen Blick auf den Artikel auf Life in a Bind zu werfen, wenn euch das Thema wirklich interessiert und ihr es verstehen wollt.

Nun lasse ich dieses Schuldgefühl in diesem Artikel. Und freue mich ein bisschen, wie weit ich auf meinem Weg schon gekommen bin. Dass ich geschafft habe, die Leere aus meinem Leben zu vertreiben. Und stattdessen ganz schön viel in mir sehe.

 

 

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